Captain Branislav Z. Obrenovic

Am 22.08.2002 erhielten wir eine e-mail von Herrn Aleksandar Obrenovic aus Miarmi Florida. Aleksandar erzählte mir, daß sein Vater als serbischer Hauptmann Kriegsgefangener im OFLAG XIII-C in Hammelburg war. Er schickte uns über 30 Fotos von seinem Vater, die niemals veröffentlicht wurden und das tägliche Leben im OFLAG XIII-C zeigen. Ich möchte an dieser Stelle Aleksandar für seine Hilfsbereitschaft und Unterstützung danken.

Diese Seite ist dem Andenken von

Hauptmann Branislav Z. Obrenovic

gewidmet, der am 07.02.2001 verstorben ist.

 

Miami, 11.09.2002

 

Liebe Hammelburger vom OFLAG XIII-B:

 

Mein Name ist Aleksandar Brana Obrenovi, ich bin der Sohn von Kapetan (Hauptmann) Branislav Z. Obrenovic - Kriegsgefangenen Nr. 541 OFLAG XIII-B.  

Geboren 30.09.1911 

Gestorben 07.02.2001

 

Ich widme diesen kurzen Lebenslauf meinem Vater und denjenigen von Ihnen, die damals dabei waren und als Offiziere ihre Pflicht für die Freiheit der Welt erfüllt haben.

 

Alle diese Erinnerungen haben ich aus meiner Jugend, als meine Vater und ich lange Stunden vor dem Schlafengehen über seine Lebensgeschichte sprachen. Im folgenden gebe ich meine Erinnerungen an seine Erzählungen von Hammelburg wieder, für etwaige Unrichtigkeiten möchte ich mich entschuldigen, da ich damals noch sehr jung war.

 

Er wurde in Nis/Serbien 1941 gefangen genommen und war in einigen Kriegsgefangenenlagern bis er aus Biberach kommend 1943 nach Hammelburg kam.

 

Ich erinnere mich an seine Schilderungen über schlechtes Essen und kalte Unterkünfte. Es gab Schwarzbrot und sehr wenig Kohle, die sie von den Deutschen als Briketts gepreßt für 3 Tage bekamen. Es war so kalt gewesen, daß sie die Zuteilung in einer Nacht verheizten. Es gab Kartoffelschalensuppe und jeder paßte genau auf, daß er auch einige Stücke vom Boden den Topfes bekam. Wenn Brot aufgeschnitten wurde überwachte ein Gefangener, daß alle Stücke gleich groß waren. Er erinnerte sich ebenfalls daß das Lager einen Doppelzaun hatte, dazwischen befand sich Stacheldraht. Davor befand sich in ungefähr 2 Meter Abstand Pfosten mit einem einzelnen Draht. Wenn man diesem zu nahe kam schossen die Wachen.

 

Ich erinnere mich, daß er mir erzählte daß er in allen Lager als der serbische Lager-Adjutant arbeitete. Durch die Beschäftigung wollte er vergessen, daß er Kriegsgefangener war. Er organisierte die Bücherei, das Theater und andere Freizeitaktivitäten, er war ebenfalls der Dolmetscher für deutsch und jugoslawisch. Der ganze Schriftverkehr der serbischen Offiziere lief über ihn, er sprach 6 Sprachen.

 

Die Serben waren ungefähr 4.000 Mann als sie gefangen wurden, aber in Hammelburg waren ungefähr noch 2.000 Mann übrig. Als sich der Krieg dem Ende neigte erfuhren sie über Flugblätter, die von alliierten Flugzeugen abgeworfen wurden, daß die Deutschen den Krieg verlieren werden. Die Deutschen gaben den Befehl, daß jeder Mann nur noch Decken haben durfte, er vermutete, daß diese für die russische Front gebraucht würden.

 

 

1944 - 1945 kamen amerikanischen Soldaten ins Lager. Er erzählte, daß er damit begann von diesen Gefangenen englisch zu lernen. Trotz durch den Zaun getrennt, entwickelten sich viele Freundschaften, darunter mit Captain Carl J. Helton. Sie besuchten sich gegenseitig, in dem sie unter dem losen Zaun hindurch krochen ohne von den Wachen gesehen zu werden. Er erwähnte, daßsie Blechdosen in Paketen erhielten aus denen sie kleine Kochherde mit zwei Brennern bauten. Es gab einen sehr kleinen Ofen der mit kleinen Holzstücken und Papierbällen geschürt wurde um zu kochen. Auf diesem Wege hatte er einmal Carl zum Abendessen eingeladen. Er sammelte die Kartoffelstücke aus der Suppe, eine Dose Corned Beef (SPAM) von den Amerikanern; Eipulver und Milchpulver und daraus machte er ein serbisches Gericht "Musaka" genannt. Im Gegenzug erhielt er eine Einladung zum Abendessen von den Amerikanern. Es gab Spaghetti und Grapefruitmarmelade; er meinte wenn man hungrig ist wird alles zu einem Gourmetessen.

 

Er erwähnte unter anderem, daß sich General Pattons Schwiegersohn im Lager befand und im März 1945 das Lager von einer kleinen Panzereinheit angegriffen wurde. Im Durcheinander und Chaos flüchteten einige Gefangene, die Serben blieben jedoch im Lager. Als der Angriff vorbei war lagen einige Tage tote Soldaten vor einem zerstörten US-Panzer, den die Deutschen mit einer Panzerfaust abgeschossen hatten. Die Toten blieben dort liegen um die Moral der Serben zu senken. Sie sollten die Niederlage und die Aussichtslosigkeit auf Befreiung verdeutlichen. Nach einigen Tagen begannen die Körper zu riechen. Mein Vater als Lageradjutant hatte Gelegenheit mit dem deutschen Lagerkommandanten zu sprechen und wies darauf hin, daß tapfere Soldaten wie diese - ehrenhaft im Kampf gefallen - nicht so behandelt werden sollten. Er bat um die Erlaubnis, die Toten bestatten lassen zu dürfen und wies darauf hin, daß wenn die Erlaubnis verweigert werden sollten, man eine Beschwerde einreichen würde. Die Erlaubnis wurde schließlich erteilt .

 

Wie er mir erzählte, schickte General Patton nach der Niederlage eine größere Einheit im April um das Lager zu befreien. Als die Panzer das Lager erreichten, warfen sie einige Wachtürme um und durchbrachen den Lagerzaun. Die amerikanischen Panzermänner gaben ihm ein großes Gewehr und als sie erschöpft waren und das Gewehr schwer wurde brauchten sie die Schulter von jemanden um es zu tragen. Er erwähnte, das während des Angriffs ein deutscher Unteroffizier zu ihm kam und sich ergeben wollte. Er bat ihn um Hilfe, er solle den Amerikaner sagen, daß er immer gut zu den Serben gewesen wäre. Mein Vater übergab den Mann dem CIC.

 

Einige Leutnants der serbischen Armee rückten mit den Panzern ab, sie hatten sich freiwillig für die letzten Monate zur 12th Armored Division gemeldet. Nach Kriegsende wurden sie nach Salzburg in Österreich geschickt - St Johann Pongau U.N.D.P. Lager Nr. 18 wo er im Zivildienst arbeitete.

 

Mein Vater hat niemals seine Kriegserinnerungen niedergeschrieben. Er erzählte sie uns als lustige Geschichte und Anekdoten, wir sollten nicht das Gefühl für das tatsächlich Erlittene bekommen. Ich denke daß alle, die dort waren das verstehen werden.

 

Gott beschütze Sie alle.

 

Aleksandar B. Obrenovic.

 

("Im Andenken an Branislav Z. Obrenovic" Dein Sohn Aleksandar)

2002 © Copyright Peter Domes -  Datum der letzten Änderung: 23.09.2013