Luftangriff auf Gemünden

26.03.1945

Gemünden war ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt der Strecken Würzburg - Frankfurt und Würzburg - Hamburg. Dennoch blieben Stadt und Bahneinrichtungen bis zum 15.10.1944 unbehelligt. An diesem Tag erfolgte ein erster Angriff von Jagdbombern. Nach der alliierten Luftoperation "CLARION" auf Bahnanlagen im Raum Kassel - Leipzig - Regensburg - Stuttgart, zählte unter anderem Gemünden auf Grund seiner Bahnanlagen seit dem 22.02.1945 zu den gefährdeten Luftzielen. Zum Verhängnis wurde der Stadt  vermutlich die Absicht des Oberkommandos des Heeres, aus dem Raum Würzburg über Gemünden und Lohr Truppenverstärkungen an die bedrohte Main-Front bei Aschaffenburg zu verlegen.  Die umfangreichen Transport-Vorbereitungen für die Verlegung der sog. "Leuthen-Verbände " (ca. 18.000 Mann) waren der US-Luftaufklärung nicht entgangen.

Gemünden am Main mit Bahnhof

(Foto: Film-Photo-Ton Museumsverein e. V.)

Die Bahnanlagen in Gemünden wurden von leichter Flugabwehr geschützt. Um das Gleisdreieck standen mehrere Flugabwehrtürme aus Holz und auch entlang der Bahnlinie selbst befanden sich Stellungen für leichte Waffen.

Flugabwehr-MG am Bahnhof Gemünden

(Foto: Film-Photo-Ton Museumsverein e. V.)

 

 

 

Eine weitere Flak-Stellung auf dem Gefängnis - genannt "Moschele"

(Foto: Film-Photo-Ton Museumsverein e. V.)

Im Zeitraum 18. - 25.03.1945 erfolgten mehrere amerikanische Luftangriffe durch Jagdbombern auf die Bahneinrichtungen der Stadt.  Am 26.03.1945 war es dann soweit, die Ninth US Air Force setzte zum großen Schlag gegen Eisenbahnknotenpunkte in Mainfranken und Hessen an, über die der deutsche Nachschub an die Mainfront bei Aschaffenburg rollte. Ungefähr 300 amerikanische leichte und mittlere Bomber der Typen A-20 HAVOC, A-26 INVADER und B-26 MARAUDER starteten von ihren Flugplätzen um die Reichsbahneinrichtungen in Würzburg, Gemünden und Flieden anzugreifen. Die Verbände der zweimotorigen Bomber wurden dabei von starken Jagdverbänden begleitet. 

B-26 MARAUDER

(Foto: Copyright Dr. Franz Reisdorf)

320th BG Reunion Association

 

Auf Grund  zahlreicher Einflüge, war bereits um 12:50 Uhr Luftalarm ausgelöst worden. Die Bevölkerung und durchreisende Zivilisten, sowie Soldaten suchten daraufhin die Luftschutzeinrichtungen der Stadt auf. Um 16:30 Uhr erfolgte dann der Angriff auf die Bahnanlagen. Die Bombenabwürfe waren zum Teil sehr ungenau und trafen neben den Gleisanlagen auch Teile der Altstadt und des Wohngebiets nördlich des Bahnhofes. Dort befand sich auch ein Luftschutzstollen unter dem Amtsgericht, der verschüttet wurde. Nach dem Angriff wurden dort  65 Tote geborgen, darunter 12 Soldaten. Durch den Bombenangriff wurde ebenfalls das Postamt getroffen, wodurch alle Telefonverbindungen nach außen unterbrochen waren. Die Eisenbahneinrichtungen waren zum großen Teil zerstört oder beschädigt worden. Der gesamte Zugverkehr von Norden nach Süden und von Westen nach Süden war unterbrochen.  Als Folge davon wartete eine große Anzahl von Zügen um Gemünden herum auf die Weiterfahrt.

(Foto: Herbert Hausmann)

Der letzte Blindgänger dieses Luftangriffs wurde am 26.02.2004 während Ausschachtungsarbeiten für einen neuen Supermarkt in der Nähe des Bahnhofes gefunden. Es handelte sich um eine 250 kg US AN-M64 GP (General Purpose = Mehrzweck) Bombe. Die Bombe wurde durch den Bayerischen Kampfmittelräumdienst ohne Probleme entschärft.

2005 © Copyright Peter Domes -  Datum der letzten Änderung: 22.09.2013